"Musik muss Freude machen"

Annette Sperling, Musikpädagogin aus Dogern, spricht im Interview über ihre große Leidenschaft, die Musik, und darüber, wie sie diese den Menschen vermittelt.

Annette Sperling im Interview mit Doris Dehmel

Frau Sperling, was bedeutet für Sie Musik und Gesang?

Musik muss Freude machen, sie muss von Herzen kommen und gut tun. Dabei stehen für mich Technik und Perfektion nicht zu forderst.

Stammen Sie aus einem musischen Elternhaus?

Meine Mama leitete während ihrer Zeit als Lehrerin in Buch den Schulchor. Mir und meinem Bruder wurde der Zugang zur Musik sehr früh ermöglicht. Es blieb uns aber überlassen, welches Instrument wir erlernen wollten.

Teilen Sie Ihre Leidenschaft mit ihrer Familie?

Ja, unsere Kinder sind alle sehr musikalisch. Für sie ist Musik und Gesang etwas wunderbar Selbstverständliches im Leben. Sie spielen verschiedene Instrumente, verwirklichen sich im Musikverein und in Ensembles und bauen die Musik sogar in ihre berufliche Planung ein.

Spielen Sie selbst in einem Verein?

Nicht mehr. Früher war ich mit Querflöte und Piccolo dabei, hatte lange bei Efata gespielt. Doch mit vier kleinen Kindern war es nicht immer leicht, einen Babysitter zu finden. So hatte ich meinem Mann, der heute Dirigent beim Musikverein Dogern ist, die Vereinszugehörigkeit überlassen.

Wann haben Sie sich entschieden, Ihren eigenen musikalischen Weg zu gehen?

Ich hatte nach was gesucht, was eine Mama mit kleinen Kindern bewältigen kann, und kam dabei im Jahr 2000 auf den Musikgarten. Bereits drei Jahre später gab ich die ersten Kurse für Kleinkinder und gründete 2005 im zwischenzeitlich verschwundenen Haus Rauber die "Kinderwelt".

Was ist Ihnen wichtig daran, besonders Kinder an die Musik heranzuführen?

Kinder müssen ihre eigene Stimme kennenlernen. Dies gelingt nur durch Singen, ohne Angst, etwas falsch zu machen. Kinder lernen so neue Facetten ihres Körpers und ihres Wesens kennen und sich selbst anzunehmen, ohne zu werten. Sie entdecken sich so, ohne einem Leistungsdruck ausgesetzt zu sein.

Widmen Sie sich mehr dem Instrumentalen oder dem Gesang?

Absolut dem Gesang. Schließlich ist die Stimme das ureigenste Instrument, wenn viele auch glauben, dies nicht bedienen zu können. Sie ist Teil des Menschen.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, ein Musical aufzuführen?

Vor knapp zehn Jahren hatte ich im Kinderchor überwiegend Jungs. Von ihnen kam der Wunsch, ein Musical aufzuführen. Zu diesem Zeitpunkt gab es aber fast nur Literatur für Mädchen. So musste ich einfach für die Buben selbst etwas schreiben. Aus der Not heraus entstand dann mein erstes Musical "Helden der Meere". Inspiriert von der kindlichen Idee meines Sohnes, einmal Architekt zu werden, folgte später "Antonios Haus".

Nach den bisherigen Erfolgen steht jetzt wieder ein neues Musical an. Wie kamen Sie auf den Titel und den Inhalt?

Nachdem ich die Familienmusikwoche an der Musikakademie Staufen mit 70 Teilnehmern vom Säugling bis zu den Senioren leite, komme ich immer wieder mit neuen Ideen heim. Was schließlich auch wieder zum "Schmunzelstein" führte – ein Familienmusical, in dem das gemeinsame Miteinander, Streit und Versöhnung, Macht und Neid zum Ausdruck kommen und ebenso auf der Bühne dargestellt werden wie Mut und Freundschaft.

Mit dem Impuls dazu verbunden ist aber auch viel Engagement. Hat Ihr Tag mehr als 24 Stunden?

Leider nein. Es wäre oft sehr hilfreich. Wenn ich komponiere, brauche ich die notwendige Ruhe, die ich meist nur nachts finde. Der Schlaf wird dann nachgeholt, wenn sich der Bühnenvorhang zum letzten Mal geschlossen hat. Ich kann gut abschalten. Ich gönne mir täglich zehn Minuten Mittagsruhe und kann in dieser Zeit richtig schlafen. Zeitliche Herausforderungen empfinde ich als positiven Stress, der am Ende die Zuversicht auf einen guten Ausgang bringt.

Wer unterstützt Sie dabei?

Ich freue mich immer, wenn meine Ideen gut aufgenommen werden und auch Mithilfe signalisiert wird. Es gibt vieles, an was ich denken muss, manches aber auch von der Vorbereitung bis zur Aufführung abgeben und delegieren kann. Schließlich kann ich mich immer auch auf meine Familie verlassen

Wer finanziert das Musical?

Obwohl alle ehrenamtlich dabei sind, entsteht doch ein großer Berg an Kosten. Obwohl wir immer wieder in unserem Kostümfundus nach Passendem suchen, verändern und ergänzen, so schlagen doch die Ausgaben für Hallenmiete, Beschallung et cetera tüchtig zu Buche. Ohne die großzügige Unterstützung der Hanspeter Ebner Stiftung Pro Dogern wäre das alles nicht möglich. Dafür bin ich sehr dankbar.

Was sind Ihre nächsten Pläne?

Meinen Beruf weiterhin als Hobby zu empfinden und meine Spontanität erhalten. Als Verantwortliche im Familien-Zentrum Nr. 4 in Dogern, dessen Träger die Caritas Hochrhein ist, möchte ich die Projekte für alle Altersgruppen weiter ausbauen. Die ersten Schritte sind gemacht und positive Rückmeldungen machen Mut. Auch die unter dem selben Dach untergebrachte "Kurs-Akademie" hat ihr Angebot schon erweitert.

Zur Person

Annette Sperling (46) ist verheiratet und Mutter von drei Mädchen und zwei Jungen. Sie ist examinierte Krankenschwester. Durch Kurse und Seminare hat sie sich zur Musikpädagogin qualifiziert und ist nun als selbstständige Musikpädagogin tätig. 

Erschienen im Südkurier und Alb Bote vom 28.10.2018 Bild und Text: Doris Dehmel